Stress

Wie Stress und Depression zusammenhängen

Evolutionsgeschichtlich hat Stress den Sinn bei einer potentiellen Bedrohung schnell reagieren zu können, also entweder zu kämpfen oder zu fliehen (Fight-or-Flight).

Körperlich bedeutet Stress, dass der Blutdruck steigt, sich die Muskelspannung erhöht und die allgemeine Leistungsfähigkeit zunimmt. Aber auch psychisch stehen wir bei Stress unter „Hochspannung“.
Stress ist somit eine Reaktion, die den menschlichen Organismus in bestimmten Situationen besonders herausfordert.

Stressauslöser

Die Auslöser für Stress können ganz unterschiedlich sein. Sowohl externe, wie auch interne  Reize oder Belastungen führen dazu, dass der Körper Stresshormone ausschüttet. Laute und schrille Geräusche, visuelle Impulse, Hitze oderKälte können externe physische Stressfaktoren sein.

Sehr viel häufiger sind psychosoziale Stressoren für ein erhöhtes Stresslevel verantwortlich. Dazu gehören unter anderem:

  • Zeitmangel &  Termindruck
  • Finanzielle Sorgen
  • Schlafentzug
  • Überforderung
  • Große Verantwortung
  • Chronische Konflikte
  • Versagensängste
  • Überhöhtes Anspruchsdenken
  • Schwerwiegende Lebensereignisse
  • Bedrohung des Selbstwerts

Der Körper reagiert auf diese Belastungen   vermehrt mit der Ausschüttung   von Neurotransmittern und Hormonen, wie Adrenalin, Noradrenalin oder Cortisol.  Der menschliche Organismus  zeigt dann Stressreaktionen, die sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sind.

Eustress und Disstress

Stress muss nicht unbedingt negativ sein, kurze Stressepisoden können aktivierend und stimulierend wirken. Der sogenannte „positive Stress“ oder „Eustress“ entsteht durch eine herausfordernde Situation, die auch tatsächlich bewältigt werden kann.

Wird die durch die Stressreaktion freigesetzte Energie genutzt, um die Herausforderung zu meistern, werden nicht nur die Stresshormone vom Körper wieder abgebaut, sondern das Hormonsystem kann sogar mit Glückshormonen auf das „Geschaffte“ reagieren.

Wird Stress allerdings zur Dauerbelastung, kann er sich auf Körper und Psyche nachhaltig schädigend auswirken.

Disstress ist also negativer Stress. Die betroffene Person kann in diesen Situationen die Herausforderungen nicht mehr zufriedenstellend und positiv lösen.

Ständig unter Stress

Studien zufolge leiden heute mehr als 30% der Erwerbstätigen unter erhöhtem Zeitdruck und einer hohen Stressbelastung am Arbeitsplatz. Permanente Verfügbarkeit, hohe individuelle Verantwortung und ständig neue Herausforderungen sorgen dafür, dass Stress zum ständigen Begleiter unseres Alltages geworden ist.

Wenn dann keine Bewältigungsstrategien zur Verfügung stehen oder diese nicht mehr funktionieren, besteht die Gefahr einer Chronifizierung. Als stressreduzierende Strategien gelten vorsorgliche Strukturierung der Arbeit und des Alltags. Einhalten von ungestörten Ruhezeiten. Auch Sport, Musik, Entspannungstechniken, ein gutes Buch und die Gesellschaft von lieben Menschen kann Stress reduzieren.

Dauerstress aber kann zu einer stressbedingten Depression führen oder eine bestehende Depression verstärken. Genetische Prädispositionen,die Epigenetik, und vorangegangene Erkrankungen entscheiden wesentlich darüber mit, ob eine erhöhte Stressbelastung eine Depression verursacht.

Stressreaktionen & Symptome einer Depression können sich gleichen

Eine Depression von chronischem Stress  zu unterscheiden, ist oft gar nicht so einfach, da sich typische Stressreaktionen nicht selten mit den Symptomen einer Depressionserkrankung überschneiden:

  • Schlafprobleme
  • Verdauungsprobleme
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Angstzustände
  • Antriebsschwäche
  • Negative Gefühle
  • Niedergeschlagenheit, gedrückte Stimmung, Traurigkeit

Kurze Episoden in denen wir gestresst sind, sind ganz normal. Mit gezielten Strategien, wie Entspannungsübungen, bewusster Tagesgestaltung oder körperlich ausgleichender Betätigung können diese Situationen überwunden und gut bewältigt werden.

Besteht aber der Verdacht auf eine depressive Erkrankung in Folge chronischen Stress, sind mitunter Therapie und Medikamente für eine Genesung notwendig.

Ihr Psychiater oder Psychotherapeut hilft Ihnen Strategien zu entwickeln, mit denen Sie die Depression in den Griff bekommen respektive erfolgreich mit Stress umgehen lernen.

Bei frühzeitigemErkennen kann diese sowohl medikamentös als auch psychotherapeutisch gutbehandelt werden.

MMag Stefan Federspiel

AUTOR

MMag. Stefan Federspiel
ist Psychotherapeut mit Schwerpunkt auf der Behandlung von Angst und Depression und kann auf eine langjährige Erfahrung in eigener Praxis zurückgreifen.