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Warum Selbstkritik bei ADHS wie ein Stimulans wirkt

Marc Nairz-Federspiel
vor 20 Stunden
1 Min. Lesezeit

Viele erwachsene Betroffene von AD(H)S kennen dieses Muster: Eine Aufgabe wird wochenlang aufgeschoben – und kurz vor der Deadline gelingt plötzlich, was vorher unmöglich schien. Häufig folgt daraus ein Schluss: „Nur unter Druck funktioniere ich.“


Diese Erfahrung hat einen nachvollziehbaren Hintergrund. Bei AD(H)S entsteht oft eine Lücke zwischen Absicht und tatsächlichem Handeln – man möchte etwas tun und tut trotzdem etwas anderes. Wiederholt sich das über Jahre, leidet nicht nur der Selbstwert, sondern auch das Vertrauen, sich selbst verlässlich einschätzen zu können.


Der innere Kritiker springt hier oft ein: Er erzeugt kurzfristig Druck, Dringlichkeit und Fokus – und wirkt dadurch fast wie ein Stimulans. Das Problem: Weil diese Strategie tatsächlich funktioniert, verfestigt sie sich, obwohl sie langfristig erschöpft und den Selbstwert zusätzlich schwankend macht.


Für Erwachsene mit AD(H)S – und alle, die verstehen möchten, warum guter Rat wie „Sei einfach netter zu dir“ oft nicht ausreicht – lohnt sich ein genauerer Blick auf diesen Mechanismus. Denn die Lösung liegt nicht nur darin, den inneren Kritiker zu beruhigen, sondern seine Funktion durch gesündere Wege der Aktivierung zu ersetzen.


Martin Winkler (ADHSSpektrum) hat dazu bei einem Vortrag einen fundierten und gut nachvollziehbaren Denkanstoß geliefert.



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